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Prostitution und Migration

Ursachen der Migration und die Motivation der Frauen sind vielfältig. Für die Migration sind letztlich jedoch der persönliche Mut und die Risikobereitschaft der einzelnen Frau ausschlaggebend. Frauen, die im Ausland arbeiten wollen, reagieren auf (Künstler-)Agenturen und Zeitungsannoncen oder erhalten Angebote von Freunden, Bekannten, unbekannten Männern und Frauen. Die typischen Arbeitsangebote sind: Haushaltshilfe, Kellnerin, Tänzerin, Prostituierte. Viele der Frauen kommen auch als so genannte "Heiratsmigrantinnen". Selbst wenn den Frauen vor der Einreise bekannt war, dass sie als Prostituierte arbeiten würden: Viele sind über die Arbeitsbedingungen und Verdienstmöglichkeiten hierzulande sehr schlecht oder gar nicht informiert.

Um das benötigte Visum, Ticket oder auch notwendige Informationen zu erlangen, sind Frauen oft auf Vermittlungsdienste angewiesen. Die Preise hierfür sind abhängig von Einreiseland, Entfernung, Transportmittel und Schwierigkeitsgrad der Einreise. Je höher die Hürden durch die Einreise- und Visumbestimmungen sind, umso teurer wird es für die Frauen. Eine Vermittlung innerhalb Europas kostet die Frauen etwa zwischen 5.000 und 15.000 Euro, von Lateinamerika oder Asien nach Europa bis hin zu 65.000 US Dollar. Häufig nehmen die Frauen dafür Kredite auf, die sie dann mit ihrem Lohn abzahlen wollen und müssen. Anwerbung und Einreise werden meist von drei bis fünf Personen organisiert, etwa 40% von ihnen sind deutscher Nationalität. Sie sprechen die Frauen an, begleiten sie auf der Fahrt und nehmen sie in Deutschland in Empfang.

Migrantinnen in der Sexindustrie sind in den meisten Fällen als Touristin, Ehefrau, Verlobte oder Künstlerin eingereist oder halten sich illegal in Deutschland. Dadurch, dass es für Migrantinnen bei dem bestehenden Zuwanderungsgesetz sehr schwer ist, einen legalen Aufenthaltsstatus zu bekommen, ist die einzelne Frau in einem besonderen Maße - mehr als ihre deutsche Kollegin - ausbeutbar, von anderen abhängig und wegen schlechter Bedingungen in ihrer Gesundheit gefährdet. Dies gilt vor allem dann, wenn man akzeptiert, dass die allermeisten Frauen gewichtige Gründe hatten, hierher zu migrieren und dass diese Migrationsentscheidung nicht beliebig umkehrbar ist.
Veränderungen ergaben sich für Frauen aus den neuen EU-Ländern. Bislang gerieten sie, wenn sie freiwillig und selbstständig im Bereich der Prostitution arbeiten wollten, mangels legaler Einreisemöglichkeiten in Abhängigkeit von VermittlerInnen. Nach dem EU-Beitritt können sie sich aufgrund des Prostitutionsgesetzes zum Zwecke der selbstständigen Prostitutionstätigkeit in Deutschland niederlassen.

Langjährige Erfahrungen zeigen, dass etwa ein Drittel der Migrantinnen, die in Deutschland in der Prostitution arbeiten, bereits in ihrer Heimat der Prostitution nachgegangen sind. Etwa 60% der Migrantinnen sind urbaner (städtischer) Herkunft. Knapp 50% haben einen mittleren Bildungsabschluss, etwa 10% Abitur, etwa 10% einen Hochschulabschluss. 70% haben Schulden wegen der Reisekosten und knapp 80% schicken Geld an ihre Familien und Kinder.